Mitgliedschaft: Heimatverein Aurich e.V. · Niederdeutscher Bühnenbund Niedersachsen und Bremen e.V. · Arbeitsgemeinschaft ostfriesischer Volkstheater e.V.

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Quelle: Ostfriesischer Kurier vom 26. Februar 2013

Quelle: Ostfriesischer Kurier vom 26. Februar 2013

Und hier noch einmal der Text:

Niemand ist eben wirklich perfekt

KULTUR Aktuelle Inszenierung des Niederdeutschen Theaters Aurich

"Bloot Foten bit an d'Hals - Eine Komödie mit sozialkritischen Untertönen aus Neuseeland

VON WERNER JÜRGENS

AURICH - Jawohl, in .“Bloot Foten bit an d' Hals" entledigen sich die Schauspieler ihren Hüllen und machen sich nackig! Wer bei der aktuellen Aufführung des Auricher Niederdeutschen Theaters Aurich allerdings künstlich aufgeblasene Toy-Boys à la „Chippendales" erwartet, wird wohl eher enttäuscht werden. Ein bisschen mehr Substanz hat dieses Stück zum Glück denn doch zu bieten. Und dem wird diese Inszenierung die am Wochenende vor ausverkaufter Kulisse im Ostfrieslandhaus Premiere feierte, auch voII und ganz gerecht.

Im Zentrum des Geschehens stehen vier arbeitslose Männer, deren Perspektiven auf einen neuen Job praktisch aussichtslos sind. Umso verärgerter reagieren sie, als sie erfahren, dass ihre Frauen Geld ausgegeben haben, um eine Show mit männlichen Strippern zu besuchen. Das bringt sie auf die vermeintlich geniale Idee: Warum nicht selber eine Männe r- Striptease - Gruppe gründen? Ein Sachbearbeiter vom Jobcenter und ein weiterer per Casting ermittelter jung-dynamischer Kandidat werden gleich mit einbezogen. Nun gut, Hüftschwung und Tanzschritte sitzen anfänglich alles andere als perfekt. Aber mit der Zeit kriegen die Jungens den Dreh langsam raus, obwohl zwischendurch manch einen von ihnen der Mut zu verlassen droht. Unterdessen rückt der Tag des großen Auftritts unaufhaltsam näher; bis sich schließlich irgendwann tatsächlich der Vorhang hebt...

Kino - Fans dürfte die Geschichte bekannt vorkommen. Ende der 90er-Jahre gab es einen mehrfach preisgekrönten britischen Film namens „The Full Monty" (deutscher Titel: „Ganz oder gar nicht“), der von einer ähnlichen Thematik handelt. Die Idee, arbeitslose Männer auf der Bühne in Freizeit Stripper zu verwandeln, ist jedoch wesentlich älter. Sie stammt von Stephen Sinclair (unter anderem Drehbuchautor bei „Herr der Ringe") und Anthony McCarten. Beide schrieben die Komödie „Ladies‘ Night", die 1987 in Neuseeland uraufgeführt wurde. Da ist auch die Vorlage. an der sich diese plattdeutsche Fassung aus der Feder von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen orientiert. In jüngster Vergangenheit entwickelte sich ihre Version vor allem an der Niederdeutschen Bühne in Flensburg zu einem echten Dauerbrenner. Ein Ieicht heimeliges 80erJahre-Flair haftet dem Stück trotz Neubearbeitung nach wie vor an. Die Zeiten, in denen man als Jobsuchender auf einen netten Plausch zu einem Tässchen Kaffee mit dem Sachbearbeiter ins Arbeitsamt ging oder Führungskräfte lediglich eine adrette Bewerbungsmappe brauchten, sind längst passé. Das viele Familien angesichts von Hartz IV und Dumping-Löhnen tagtäglich buchstäblich ums nackte Überleben kämpfen müssen, ist heute indes aktueller denn je. Die Auricher Inszenierung von “Bloot Foten bit an d' Hals" spart auch nicht mit sozialkritischen Untertönen. Dennoch kommt der Spaßfaktor nie zu kurz, was in erster Linie an den Darstellern der männlichen Stripper liegt. Ihnen gelingt es das Bild einer eingeschworenen Gemeinschaft sehr glaubhaft nach außen zu vermitteln. Dabei führen sie auf amüsante Art und Weise einmal mehr vor Augen: Niemand von uns ist eben wirklich perfekt. Na und? Einen guten Anteil an der gelungenen Inszenierung hat auch die Regie. Und da sollte man an dieser Stelle ruhig einmal erwähnen, dass hier (inklusive Regieassistenz) insgesamt drei Frauen ihre Finger im Spiel gehabt haben. Wie weit die Herren bei ihren Striptease-Einlagen letztlich gehen werden, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Termine:
Die nächste Aufführung von "Bloot Foten bit an d' Hals“ im Ostfrieslandhaus ist am Mittwoch, 27. Februar. Anschließend folgen sechs weitere Abendvorstellungen am 1., 2., 6., 8., 13. und 15. März (Beginn jeweils um 20 Uhr). Außerdem findet am 10. März eine Nachmittagsvorstellung statt (Beginn: 16 Uhr).

Karten im Vorverkauf gibt es bei der Firma Abegg in Aurich oder über das Internet unter www.ndt-aurich.de.

Zitat: Einen guten Anteil an der gelungenen Inszenierung hat auch die Regie."

Bildunterschrift: Aller Anfang ist schwer: Zunächst haben (v. l.) Carsten (Robert Janssen), Norbert (Michael Niendieker), Sören (Andreas Weber) und Burkhard (Stefan Dirks) noch erhebliche Koordinationsprobleme.

Fotos: Jürgens

 

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