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Artikel Ostfriesische Nachrichten vom 31. Oktober 2005

Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom 31. Okober 2005

Und hier noch einmal der Text:

Von bösen Hexen, Maklern und pfiffigen Knechten

Niederdeutsche Bühne Aurich brilliert am Freitagabend bei der Premiere ihres Dreiakters „De Hexenhoff" von Jens Exler

VON ARNOLD WEERS

AURICH Als ein klassisches „Burenstück" erwies sich der Dreiakter „De Hexenhoff" von Jens Exler. Bei der Premiere am Freitag der Niederdeutschen Bühne Aurich waren gut 200 Besucher erschienen, darunter Aurichs Bürgermeisterin Siegrid Griesel und 1. Stadtrat Andreas Rieckhof.

Ein klassisches Burenstück deshalb, weil hier alle Elemente dieses Genres vertreten sind: Der schon etwas betagte Bauer Klaas Harms, die Haushälterin Magda Flick, Bauernsohn Dierk Harms mit Freundin Wiebke Siemens und der listige Knecht Karsten Collmann.

Wie oft in solchen Stücken, so soll auch hier der Bauer von Haus und Hof vertrieben werden. Den Part der Bösewichte übernehmen in diesem Fall der Gebäude- und Grundstücksmakler Hubert Zimmermann und „de swatte Tille", die vorgibt, die Hexerei auf dem Hof in den Griff zu kriegen.

Darum geht es nämlich. Es geschehen merkwürdige Dinge auf dem Hof. Die Milch hat kein Fett mehr, die Sau frisst ihre Ferkel und der Gaul lahmt. Und bei all diesen „Unregelmäßigkeiten" sinkt natürlich der Wert des Hofes, den Makler Hubert Zimmermann so gerne kaufen würde.

Die Magd Magda glaubt die Ursache zu kennen: Es muss Hexerei im Spiel sein, und sie glaubt auch zu wissen, wer helfen kann: de „swarte Tille" die offensichtlich alle Tricks der Hexen kennt - und die nötigen Abwehrmaßnahmen dazu. Und sie weiß: Knecht Karsten ist der Bösewicht, der den Hof verhext hat. Und noch etwas glaubt die Magda, nämlich dass der Makler Zimmermann sie ehelichen will. Aber: „Die Männer wollen immer nur das Eine. Essen."

Bei soviel Glauben hat das Wissen keine Chance und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Viele Verdächtigungen, Anfeindungen und Vermutungen verwandeln den so beschaulichen Hof in einen Ort des Schreckens. Selbst die bevorstehende Hochzeit des jungen Liebespaares scheint gefährdet. Solange, bis die „swarte Tille" den erlösenden Zaubertrank aus verschiedenen, speziell ausgewählten Zutaten auf dem Tisch des Hauses anrichtet: Salmiakgeist, Schwefelsäure, Schweinejauche, Petroleum, Dillessig, Stecknadeln und als geschmacksabrundende Krönung einen sauren Hering. Das müsste eigentlich helfen - ob, wird aber hier nicht verraten.

Willi Arends hatte als Regisseur des Stückes seine Schauspieler hervorragend eingestellt. Die Auricher Bühne setzt bekanntlich weniger auf „selbstgängige Schenkelklopfer", sondern mehr auf schauspielerische Qualität, und diesbezüglich konnten alle Akteure (wieder einmal) voll überzeugen. Ein darüber hinausgehendes Sonderlob verdiente sich allerdings Michael Niendieker in der Rolle des Knechtes Karsten Collmann. Seine trockenen Kommentare und messerscharfen Analysen des Hexenhaushaltes waren die Höhepunkte in einem Stück, das geteilte Resonanz im Publikum fand. Manche meinten, es gehörte zu den besten Aufführungen - andere wiederum meinten, schon Besseres von der Aurichern gesehen zu haben.

Unabhängig davon war das Bühnenbild äußerst detailgerecht inszeniert, und auch das Licht und die Tontechnik stimmten.

Unter dem Strich war es ein interessanter Theaterabend, dessen Besuch durchaus empfohlen werden kann. Am 2., 4., 5., 7., 9., und dem 11. November spielt die Bühne noch im Auricher Ostfrieslandhaus, bevor die beiden letzten Aufführungen schon traditionsgemäß am 18. und 19. November im Ihlower Bürgerhaus gespielt werden.

Am 6. November findet um 16 Uhr eine Nachmittagsvorstellung im Ostfrieslandhaus statt.


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PERSONEN UND IHRE DARSTELLER

Folgende Darsteller wirken an dem Stück „De Hexenhoff" mit: Klaas Harms: Helmut Bockelmann; Magda Flick: Uta Folkerts; Dierk Harms: Heiner Alberts; Wiebke Siemens: Silke de Boer; Karsten Collmann: Michael Niendieker; de swatte Tille: Beate Speckmann; Hubert Zimmermann: Werner Kattenberg. Regie Wilhelm Arends mit Sonja Wübbenhorst. „Topuster": Erna Janssen. Maske: Christina Freitag und Elfriede Stoll. Bühnenbild: Heinz Eilts, Georg Ludwigs, Hinni Speckmann, Rolf Mallmann; Ulli Breiter, Henner Lorentz, Alwin Rabenstein und Heidi Buss. Assistenz: Michael Freitag. Licht und Tontechnik: Hans Heilemann.

Bildunterschrift: Die "swarte Tille" hat einen Trank gebraut. Bauer Klaas Harms (rechts) und Magda Flick scheinen hinsichtlich der zu erwartenden Wirkung ein wenig skeptisch.

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