Mitgliedschaft: Heimatverein Aurich e.V. · Niederdeutscher Bühnenbund Niedersachsen und Bremen e.V. · Arbeitsgemeinschaft ostfriesischer Volkstheater e.V.

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Artikel Ostfriesische Nachrichten vom 12. März 2007

Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom 12. März 2007

Und hier noch einmal der Text:

Das totale Chaos: perfekt inszeniert

Niederdeutsche Bühne brilliert mit „Geld in d' Büdel - nix as Getüdel" / Tiefschwarzer englischer Humor

VON ARNOLD WEERS

AURICH Dass das Leben immer neue Anforderungen an die Menschen stellt, muss auch Erich Schwarz erfahren: Er wird von einem auf den anderen Tag arbeitslos. Aber er hat da noch einen Trumpf im Ärmel, nämlich einen soeben nach Kanada ausgewanderten Untermieter und dessen wöchentlichen Scheck vom Sozialamt. Also muss Erich dafür Sorge tragen, dass der Scheck weiter pünktlich kommt - und zwar zu ihm. So braucht er seiner Frau Linda nichts von der Arbeitslosigkeit zu erzählen.

Sie glaubt auch nach zwei Jahren immer noch, dass Erich jeden Morgen pünktlich zur Arbeit geht. In gewisser Weise stimmt das schon, den er hat alle Hände voll damit zu tun, die Segnungen des Sozialstaates nicht an sich vorbei fließen zu lassen, indem er zusätzlich zu seinem neuen Untermieter noch einige weitere hilfsbedürftiger Hausbewohner erfindet und das soziale Netz zur Startrampe für ungeahnte finanzielle Höhenflüge macht. Er beantragt und erhält Alters-, Invaliden-, Unfall- und Frührente, Schlechtwetter-, Kranken-, Wohn- und Kindergeld, sogar die Schulmilch lässt er nicht aus. Und auch die Stützstrümpfe, die medizinische Spezialunterwäsche und den Haarersatz lässt Erich mit Hilfe von .Unkel Georg" auf diversen Flohmärkten in klingende Münze verwandeln:

Alles geht solange gut, bis eines Tages Herr Janssen vor der Tür steht. Herr Janssen ist Außenprüfer des Sozialamtes und braucht eigentlich nur eine Unterschrift vom längst nach Kanada ausgewanderten Untermieter. Es liegt in der Natur der Sache, dass dies nicht so schnell machbar ist, und so muss eben Norbert Dobermann jenen besagten Auswanderer spielen:

Zunächst gegen dessen Überzeugung, aber nachdem er erst einmal den ersten Schritt gemacht hat, kommt er nicht mehr raus aus seiner Rolle; oder genauer gesagt aus seinen Rollen. Denn nun nimmt eine turbulente Verwechslungs- und Verwandlungskomödie seinen Lauf, die darin gipfelt, dass Erich und Norbert für Tunten gehalten werden, die sich in Damenunterwäsche vergnügen. Was Linda wiederum gar nicht behagt und sogar einen Partnerschaftsberater einschaltet. All dies sorgt im Publikum während der gut zweieinhalbstündigen Aufführung dafür, dass kein Auge trocken bleibt:

Dafür ist nicht nur das Stück verantwortlich, sondern in erster Linie die Schauspieler der Niederdeutschen Bühne Aurich selber. Wer ein langjähriger Beobachter ihrer Aufführungen ist, stellt zweifellos fest, dass sie sich mit dieser Darstellung selber übertroffen haben. Und zwar ohne Ausnahme, weswegen hier auch keiner besonders herausgehoben werden kann. Bei der Premiere am Freitag im Ostfrieslandhaus stimmte alles. Die Pointen trafen punktgenau, es gab nicht einen einzigen „Hänger" im Text, die Schauspieler behielten selber den Überblick über ihre diversen Rollen - und verkörperten ihre Figuren absolut überzeugend. Und je länger man dem Verwirrspiel auf der Bühne zuschaute, um so mehr stellte sich die Frage: Wie kommen sie da wohl wieder raus - und wie kann es ein Happy End geben. Es geht - aber wie, das wird natürlich nicht verraten:

Michael Cooneys Bühnenstück steht ganz in der Tradition tiefschwarzen britischen Humors, das die großen und kleinen Tragödien mitten im Leben sucht und findet. Und dort ist auch die Auflösung des Happy End angesiedelt. Fazit des Betrachters: Dieses niveauvolle Stück sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man einmal wieder zwei Stunden am Stück lachen will:

Die nächsten Vorführungen des Verwechslungsspieles sind am 12., 14., 16., 19., 22., und 23. März jeweils ab 20 Uhr im Ostfrieslandhaus Aurich. Am 18. März gibt es ab 16 Uhr eine Nachmittagsvorführung.

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PERSONEN UND IHRE DARSTELLER

Erich Schwarz: Heiner Alberts; Linda Schwarz: Herma Janssen; Norbert Dobermann: Michael Nien-dieker; Herr Janssen: Johann Mühlenbrock; Unkel Georg: Wilhelm Arends; Nele Schönfeld: Beate Speckmann; Dr. Kaufmann: Johannes-Albert Wiens; Herr Firmenich: Werner Kattenberg; Fro Kuhlmann: Edith Gleibs; Berta Dirksen: Ines Broß-Janssen.
Regie: Wilhelm Arends, Johann Mühlenbrock und Heia Reck. Topuster: Gertrud Heyen. Technik: Hans Heilemann.

Bildunterschrift: Ein Tänzchen in Ehren.... Aber wenn Erich ( Heiner Albers, links) und Norbert miteinander tanzen, kann das schon Anlass zum Grübeln geben. Jedenfalls bei Linda Schwarz. [Foto: Weers]

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