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Artikel Ostfriesische Nachrichten vom 01. November 2008

Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom 01. November 2008

Und hier noch einmal der Text:

Devise lautet „Torte statt Teekuchen"

Niederdeutsches Theater Aurich inszeniert zum 85-jährigen Bestehen Boulevard-Klassiker „Pension Schöller"

Von Werner Jürgens

AURICH - „Torte statt Teekuchen", so brachte Bühnenleiterin Herma Janssen das Motto der aktuellen Inszenierung des Niederdeutschen Theaters Aurich auf den Punkt. In diesem Jahr feiert das Ensemble nämlich sein 85-jähriges Bestehen (wir berichteten). Mit „Pension Schöller" unter der Regie von Rudolf Plent hat sich die Truppe tatsächlich ein echtes Sahnestückchen der Boulevard-Unterhaltung herausgepickt.

Erzählt wird in dem Schwank aus der Feder des Autorengespanns Carl Laufs und Wilhelm Jacoby die Geschichte des kauzigen Hofbesitzers Phillipp Klapproth. Da sein Haushalt von Schwester Ulrike und deren beiden Töchtern Ida und Franziska geführt wird, hat er eigentlich nicht mehr so richtig was zu tun und wird von entsprechender Langeweile geplagt. Um die zu bekämpfen, ist er permanent auf der Suche nach möglichst kuriosem Zeitvertreib. In dem Zusammenhang verspricht er seinem Neffen Alfred das notwendige Startkapital für dessen Selbstständigkeit, sofern er ihm einmal ein Irrenhaus von innen zeigt. Alfreds bestem Freund, dem Kunstmaler Ernst Kießling, kommt eine rettende Idee, wie das am besten zu bewerkstelligen ist: Der Onkel wird auf die Gästeliste einer abendlichen Gala der „Pension Schöller" gesetzt und ihm wird vorgegaukelt, dies sei ein Irrenhaus.

Der Schwindel scheint zunächst prima zu funktionieren. Die Pensionsgäste verhalten sich dermaßen ungewöhnlich, dass der Onkel glaubt, sie wären tatsächlich total verrückt. Um die vermeintlichen „Irren" nicht aus dem Konzept zu bringen, geht Klapproth Senior auf jeden Gast treu und brav ein. Das führt bald zu den aberwitzigsten Verwicklungen. Großwildjäger Fritz Bernardy lädt ihn auf eine gemeinsame Weltreise ein. Schriftstellerin Josephine Krüger will die Biografie des Hofbesitzers als Stoff für einen ihrer Romane verwenden. Der Major a. D. Gröber fordert ihn zu einem Duell heraus. Und dann sind da ja noch Amalie Pfeiffer, die Schwägerin des Pensionsinhabers Schöller und dessen Neffe Eugen Rümpel. Während sie verzweifelt versucht, einen geeigneten Mann für ihre Tochter Friederike zu finden, strebt er eine Karriere als Schauspieler an und hält ständig Ausschau nach Menschen, die seine Kunst auch wirklich zu schätzen wissen. Nachdem der arme Phillip Klapproth von sämtlichen „Insassen" unter Beschlag genommen wurde, ist er heilfroh, als er das „Irrenhaus" endlich wieder verlassen kann und nach Hause gehen darf. Doch da hat er sich zu früh gefreut...

Bei seiner Inszenierung von „Pension Schöller" hat das Niederdeutsche Theater Aurich wahrlich nicht gekleckert, sondern ganz schön geklotzt. Mit insgesamt drei Bühnenbildern, davon zwei sehr aufwändig gestalteten, sowie üppigen Kostümierungen, die aus dem Fundus der Ostfriesischen Landschaft stammen, wird hier allein schon für das Auge einiges geboten. Für den Spruch, dass Kleider Leute machen, liefern ein paar der Ensemble-Mitglieder den lebendigen Beweis. Speziell Robert Janssen und Edith Gleibs haben sich exzellent in ihre Charaktere als schneidiger Major und überkandidelte Schriftstellerin „hineingefühlt". Auch Heiner Alberts als verhinderter Schauspieler Eugen Rümpel, der den Buchstaben „L" stets als „N" spricht („Kennen sie eigentnich ,Wannenstein' von Schinner oder Shakespeares ,Othenno'?") sorgt wiederholt für köstliche Pointen. Ein Sonderlob geht darüber hinaus an Heike Tunder, die bei ihrem Kurzauftritt als Kellnerin Johanna einen überzeugenden Eindruck hinterlässt sowie die zwei jüngsten Darsteller Hilke Peters (Ida) und Michael Rieken (Ernst Kießling). Beide haben ihre Feuertaufe bravourös bestanden und zeigen eine erstaunlich starke Bühnenpräsenz, sodass von ihnen für die Zukunft noch einiges zu erwarten ist. Die restlichen Akteure des Ensembles liefern eine insgesamt solide Leistung, wenngleich der bzw. die ein oder andere ruhig ein bisschen mehr aus sich herausgehen und etwas „verrückter" agieren dürfte.

Gelegenheiten dazu wird es reichlich geben. Die nächste Vorstellung von „Pension Schöller" findet bereits am kommenden Montag, 3. November statt. Das Stück läuft bis zum 14. November im Ostfrieslandhaus Aurich und wird anschließend noch dreimal im Bürgerhaus Ihlow gespielt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr mit Ausnahme einer Nachmittagsvorstellung, die am Sonntag, 9. November, ab 16 Uhr stattfindet. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Niederdeutschen Theaters Aurich unter der Adresse www.ndt-aurich. de.

Bildunterschrift: Der verhinderte Schauspieler Eugen Rümpel (Heiner Alberts, links) gibt dem verdutzten Phillipp Klapproth (Wilhelm Arends) eine Kostprobe seiner „künstnerischen" Fertigkeiten.

Foto: Jürgens

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