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Artikel Ostfriesische Nachrichten vom 07.03.2011

Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom 07. März 2011

Und hier noch einmal der Text:

Spaßgewitter bis nach Akelsbarg hörbar

Premiere der Niederdeutschen Bühne Aurich im Ostfrieslandhaus - Britisches Boulevard statt altbackenem Krawumm

VON GERD-D. GAUGER

AURICH Aurich lacht. Und verstreut seine Sympathien über Ehebrecher, notorische Lügner und - man ist ja liberal - über Homosexuelle. Der Boulevard macht's möglich. Auf der Suche nach einer Komödie außerhalb des gängigen Musters - vertrottelter Bauer, keifende Alte, schmachtendes Jungpaar -ist die Niederdeutsche Bühne Aurich auf Ray Cooney gestoßen. Der kennt, was viele plattdeutsche Kra-wumm-Autoren nicht kennen, nämlich den Unterschied zwischen Klamotte und Boulevard. Pointiertes statt Plattes. Very british! Und wenn dann noch pfiffig ins Platt übersetzt wird (Kay Kruppa) und sich die Schauspieler an ihren Auftrag erinnern, tatsächlich Platt zu sprechen anstatt des leider auch die ostfriesischen Bühnen erobernden Missingsch, dann klappert's!

Dass die Amüsementgrade am Sonnabend zur Premiere von „Leev nah Stünnenplan" im Ostfrieslandhaus durchgängig Höchstwerte erreichten, ist nicht nur den oben angeführten Voraussetzungen zuzuschreiben. Es kommt ja immer darauf an, was man aus dem macht, was man hat, um zu dem zu kommen, was man will: Das Publikum so lange mit Charme und Witz vor sich hertreiben, bis es platzt. Das sicherste Rezept orientiert sich an dem, was uns verschwitzte Fußballer auf bohrende Reporterfragen in die Mikrofone beten: „Der Star ist die Mannschaft." Herma Cornelia Janssen, Spölbaas der Auricher Bühne, hat sich an dieses Rezept gehalten. Mit dazu einfachen und daher durchschlagenden Vorgaben: „Offensiv sein, schnelles Zu- und Abspiel, immer noch einmal nachsetzen!"

Mannomann, was hat Aurich gelacht. Über den Taxifahrer, der eine Frau in Norden und eine in Aurich hat und beider (und seine) Bedürfnisse nach genau abgestimmtem Stundenplan stillt. Und sich der Hilfe seines Kumpels versichert, als er in die Bredouille gerät, weil der Stundenplan nicht mehr funktioniert. Michael Niendieker und Robert Janssen -was für Prachtkerle auf der Bühne. Die Pointen, die sie sich im Sekundentakt zuschieben und mit sichtlichem Vergnügen mimisch ausleben, lösen ein Spaßgewitter aus, das man in Akelsbarg hören müsste. Und den Heulkrampf von Ehefrau Nummer 1 (oder 2?) alias Karina Noormann auch. Sie und Ehefrau Nummer 2 (oder 1?) alias Heike Tunder - brillant. Oh, Gommes, nee, wat 'n Pläseer, wenn man im Parkett sitzt und zusieht, wie sich jemand da oben die Seele aus dem hübschen Leib jammert.

Ein exquisit gemixtes Quartett - Ray Cooney sollte sich das einmal ansehen: Was die in London können, können sie in Aurich auch! Darf man sich über einen Homosexuellen lustig machen? Nach landläufiger po-litical correctness nicht. Bei der Niederdeutschen Bühne darf man das. Nein, muss man das.

Wenn Andi Weber, Untermieter von Ehefrau Nummer sowieso und erstmals im Ensemble, sein „Hallöhchen" haucht und mit dem wackelt, was in der Hose ist, dann ist es so weit. Der Autor hat diese Rolle leichthändig als sogenannten „Sidekick" zugefügt. Es ist vorstellbar, wie er am Schreibcomputer gesessen hat und sich scheckig gelacht hat.

Wie das Auricher Publikum. Und dann schubsen auch noch die Polizeikommissare Norden (Stefan Dirks) und Aurich (Johann Mühlenbrook) Handlung und Mitspieler in diesen Brei von Verwirrung und Verwicklung, zwei Schauspieler, die kräftig an bereits überstrapazierten Lachmuskeln zupfen.

Es geht doch! Plattdeutsches Theater kann - siehe Aurich anno 2011 - pfiffig statt plottig sein. Gut gemacht, Spaß gebracht. Humor statt Hauruck. Im Herbst ein neuer Cooney: „Geld verdarvt de Charakter." Man sieht sich.

Bildunterschrift 1: Pointen im Sekundentakt: Michael Niendieker und Robert Janssen.

Bildunterschrift 2: Das ganze Elend dieser ungetreuen Welt: Karina Noormann.

Bildunterschrift 3: Premiere für ihn bestens gelungen: Andl Weber.

Fotos: Gauger

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