Mitgliedschaft: Heimatverein Aurich e.V. · Niederdeutscher Bühnenbund Niedersachsen und Bremen e.V. · Arbeitsgemeinschaft ostfriesischer Volkstheater e.V.

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Artikel Ostfriesische Nachrichten vom 05.03.2012

Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom 05. Märzr 2012

Und hier noch einmal der Text:

Niederdeutsche Bühne mal anders

Dessous nehmen Angst vorm Altern

Premiere in Aurich begeistert das Publikum - Ostfriesische Senioren nähen verführerische Unterwäsche

AURICH - Alt werden und dann? Resignieren und Däumchen drehen oder besser noch einmal klotzen, anstatt zu klackern? Mit ihrem neuen Stück: „Lüttje Paris" weist das Niederdeutsche Theater Aurich in die zweit• genannte Richtung - und ermutigt Senioren dazu, aktiv zu bleiben und nicht die Hände in den Schoß zu legen.

Auf den ersten Blick lässt das Bühnenbild mit verführerischen Dessous in dem ehemaligen Dorfladen im imaginären Ort Forlitz Klamauk vermuten. Das täuscht. Im Verlauf der Komödie wird das Ansinnen des Autors Stefan Vögel und der Drehbuchschreiber des Films “Die Herbstzeitlosen" (Sabine Pochharnmer und Bettina Oberli) deutlich: Alt werden muss nicht heißen, den Lebensmut zu verlieren. Dem Ensemble des Niederdeutschen Theaters ist es gelungen, dieses Thema schauspielerisch klar und beeindruckend herauszuarbeiten. Deshalb wurde die Premiere am Sonnabendabend im Ostfrieslandhaus Aurich ein voller Erfolg. „Mal ein anderes Stück", wie bei den Pausengesprächen im Foyer zu hören war. „.Aber richtig gut!"

Wer, wie die Witwe Marta Joost (Edda Dedekind, in einem kleinen Dorf inmitten von Ostfriesland den Mädchentraum von der eigenen Dessous-Boutique verwirklichen möchte, stößt damit nicht unbedingt auf Gegenliebe. Schon gar nicht bei dem .“Kotzbrocken" von Bürgermeister (Wilfried Hagen) und auch nicht beim eigenen Sohn, dem Pastor (Michael Niendieker).

Die Frage der Moral, ob Bodys, Bustiers und Strings in ein Geschäft in einem Dorf wie Forlitz gehören, ist nur vordergründig gestellt. Es geht um handfeste eigene Interessen. Der Bürgermeister möchte in dem früheren Lebensmittelgeschäft eine Parteizentrale einrichten und Herr Pastor dort mit seiner Geliebten (Stefanie Siebels) "Bibelstündchen" abhalten.

Pastor und Bürgermeister tun sich zusammen und versuchen, selbst mit kriminellen Taten, der Witwe das Leben zur Hölle zu machen. Die soll keine Büstenhalter und Mieder schneidern. sondern eine neue Fahne für den örtlichen Gesangsverein sticken. In Forlitz findet bald das Chorfest des Nordens statt, und die alte Fahne ist von Motten zerfressen. Doch die beiden Schurken im Gewand der Biedermänner bekommen Widerstand von den drei Freundinnen der Witwe zu spüren.

Die egozentrische Lilly (Edith Gleibs) sprüht seit ihrem Amerikaaufenthalt nur so vor Ideen. Friede (Janette Ulferts-Spies) konnte sich anfangs nicht mit dem Gedanken an einen Dessousladen anfreunden. Doch dann erweist sich gerade die ehemalige Fabrikantenfrau als Managerin, die, mit Hilfe ihres Freundes Ulrich (Rainer Gleibs) und des Internets, das Geschäft richtig zum Brummen bringt. Die Nachfrage nach der Unterwäsche aus Forlitz ist so groß, dass die Bewohner des Seniorenheimes in die Produktion einbezogen werden und Windmühlen auf Büstenhalter sticken. Selbst die Mutter des Bürgermeisters (Anita Dieck) wird nach anfänglichern Zögern zur Rebellin.

Die Moral der gelungenen Aufführung: Im Alter nicht die Träume beiseite schieben und sich nicht von Kotzbrocken entmutigen lassen.

Applaus gab es nicht nur für die Schauspieler und die Regie (Herma C. Janssen und Christine Brückner), sondern auch für den Chor "Frohsinn" Egels•Popens. Die Sänger stellten das Chorfest dar. Genießen kann man „Lüttje Paris", jeweils ab 20 Uhr im Ostfrieslandhaus, noch am 7., 9. 14., 16., 21. und 23. März. Die Aufführung am 11. März beginnt bereits um 16 Uhr. Karten gibt es rrn Vorverkauf bei der Firma Abegg in der Auricher Osterstraße. Hans-Joachim Suhren

Bildunterschrift: Chorfest mit dem Chor "Frohsinn" Egels-Popens.

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Oscar-Verleihung im Landkreis

Roter Teppich zur Premiere

sn Aurich. Das Niederdeutsche Theater überraschte am Sonnabend seine Gäste zur Erstaufführung von “Lüttje Paris" mit einem roten Läufer und Windlichtern vor dem Eingang des Ostfrieslandhauses. Des Rätsels Lösung wurde am Ende der Aufführung offenbart. Die Bühnenleiterin Herma Comelia Janssen schritt zur erstmaligen symbolischen, „Oscar-Verleihung in LA".

Der echte Film- und Theaterpreis, der international in Los Angeles (LA) verliehen wird, blieb den Schauspielern verwehrt. “In Ostfriesland haben wir ja auch unser LA", so Janssen, „nämlich den Landkreis Aurich". Der Grund für die symbolische Verleihung durch die Bühnenleiterin und Regisseurin: Sie wollte einmal Danke sagen, und außerdem sei das Ensemble riesig glücklich darüber, als fünfte Bühne und noch vor der Aufführung durch das Ohnsorg•Theater Hamburg die niederdeutsche Fassung der Komödie, ‚Lüttje Paris' nach dem berühmten Film ,Die Herbstzeitlosen' spielen zu dürfen".

Der Ostfriesen-Oscar" ging an alle Mitwirkenden sowie an die Regieassistentin Christine Brückner und die Leiterin des Chors „Frohsinn" Egels•Popens, Karin Wessels. Als erste Darstellerin erhielt die sichtlich gerührte Edda Dedekind vor einem applaudierenden Publikum das funkelnde Dankeschön überreicht.

Bildunterschrift: Bühnenleiterin Herma Cornelia Janssen (I.) überreichte den ersten im Landkreis Aurich verliehenen "Oscar" an Edda Dedekind.

Bild: Suhren

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