Mitgliedschaft: Heimatverein Aurich e.V. · Niederdeutscher Bühnenbund Niedersachsen und Bremen e.V. · Arbeitsgemeinschaft ostfriesischer Volkstheater e.V.

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Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom 10. November 2012

Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom 10. November 2012

Und hier noch einmal der Text:

Ein Happy End, das die Sinne anregt

Drei-Personen-Kammerspiel des Niederdeutschen Theaters Aurich: intelligente Komödie statt platter Comedy

gg AURICH   Wenn plattdeutsche Bühnen nach Alternativen zu Schwänken und Schmonzetten suchen, landen sie oft bei gramerfüllten Stücken, in denen das Elend dieser Welt beklagt wird: Das nennt sich dann "anspruchsvoll“. Amüsieren verboten. Weitersuchen. Etwa ein Kammerspiel mit nur drei Schauspielern vor weißer Bühnenwand ohne Handtuchhalter, Hörn und Holzpantoffeln? Das geht doch gar nicht. Oder doch? Das Niederdeutsche Theater Aurich hat's gewagt. Und so sparsam wie die Dekoration fällt dann auch der Kommentar dazu aus: Gratulation! Respekt! Spölbaas Herma C. Janssen (die auch den Text ins Auerker Platt übertrug) wurde auf der Alternativensuche bei Frank Pinkus fündig. Der kann alles: auf, hinter, vor der Bühne. Vor allem Komödien schreiben. Und was für welche. "Torügg na 't Happy End“ ist eine von ihnen. Zu sehen im Ostfrieslandhaus, in dem gestern Auricher Premiere war (weitere. Aufführungen am 12., 14., 16., 17., 19., 21. und 23. November um 20 Uhr sowie am 18. November um 16 Uhr).

Das Stück beginnt mit dem Ende - zwei haben sich gefunden, alles gut, Küsschen und tschüss. Doch dann spielen die spitzzüngige Braut, der etwas dröge Bräutigam (Beamter! Wie sagte doch Remarque: "Der hat den Charme eines Oberpostsekretärs“) und dessen mit den Erfahrungen des Freiens (und dessen Folgen) gesegnete Mama dem Publikum vor, wie's dazu kam wie's schließlich kommen musste. Das wird mit feinsinnigem Humor erzählt, mit seiner Version und der ihren. Wie das eben so ist, wenn er und sie vom Gleichen reden. Eheleute kennen das. Die nicht ganz störungsfreie Rückschau regt die Sinne an und ruft wohliges Schmunzeln hervor. Wer platte Schenkelklopfer sucht, ist hier falsch. Hier ist intelligentes, klamaukfreies Knippoog. Komödie statt Comedy. Heutzutage leider so selten wie ein weißer Rappe. Zwei Stunden lang Pointen. Kein Schnick-Schnack drum herum. Ändert sich die Szenerie, wird einfach die schmuckfrei-weiße Bühnenwand gedreht (per Hand und die Handlanger für alle sichtbar) und statt im Wald mit Vogelzwitschern vom Band ist man im Wohnzimmer, in dem die Braut nicht zwitschert, sondern den jungfräulichen Bräutigam mittels Schießeisen zu dem treibt, was sie gerne treiben möchte, das er aber bei Mama nicht gelernt hat.

Stehen nur drei (meistens sogar nur die beiden sich Findenden) Schauspieler auf der Bühne, haben sie es schwerer, als wenn sich dort das halbe Ensemble tummelt und ein gelegentlicher Lapsus schon mal untergeht. Und so gesellt sich zur Gratulation zu dieser brillanten Inszenierung (Regie Johann Mühlenbrock) dann auch der Respekt vor der Leistung von Uta Folkerts (Braut), Heiner Alberts (Bräutigam) und Edith Gleibs (Mama). Facettenreich, mit dem Publikum spielend, keine Sekunde in die Abgründe der Effekthascherei abgleitend - Düvelkater ook, was haben die 's drauf. Frank Pinkus müsste einmal aus Harburg herüber kommen und schauen, was die Auricher aus seinem Stück gemacht haben. Er würde ihnen gleich noch eines schreiben. Exklusiv. Das hört sich nach branchenüblicher Lobhudelei an, doch sagen wir es mit Stephanie, der mit dem Frühstück: "Es is so wie's is“- Folkerts, Alberts und Gleibs sind ein Trio furioso. Mit wenigen Beigaben, nur kraft ihres Stils und ihres Ausdrucks 120 Minuten zu fesseln, das hat schon Größe. Natürlich hatten die Auricher in der Vergangenheit wie alle Laienbühnen auch schon diese "Mutt nödig so wäsen“ -Aufführungen und mit dem reinen Platt hatten sie es auch nicht immer. Vergessen wir das. Heute ist heute. Diese Aufführung ist auch ein Spiegel des derzeitigen Zustandes der Auricher Bühne: Alles im Lot. Nachwuchssorgen - gibt's nicht, ein rundes Dutzend Kinder und Jugendliche stehen in den Startlöchern. Mut zum Unkonventionellen - reichlich vorhanden. Platt as 't wäsen rnutt- (fast) perfekt. Da ist für die Zukunft noch einiges zu erwarten. Bestimmt. Ehrenwort!

Bildunterschrift 1: Schattenspiele zweier, die sich fanden. Zugegeben, etwas mühsam, dieses Finden. Aber "es is wie 's is" - Happy Ends gibt's immer: Uta Folkerts und Heiner Alberts in Hochform.

Bildunterschrift 2: : Mehr als ein Sidekick in einem Stück, das auf lediglich zwei Personen zugeschnitten scheint: Edith Gleibs als romanzenlenkende Mama.

Fotos: Gauger

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