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Artikel Ostfriesen-Zeitung vom 26.10.09

Quelle: Ostfriesen-Zeitung (Ausgabe Aurich) vom 26. Oktober 2009

Und hier noch einmal der Text:

Unwürdiger Kampf ums Erbe der Tante ist keine Soap

Theater Niederdeutsches Theater Aurich hält Publikum mit „De letzt Will" einen Spiegel vor.

Am Sonnabend war im Ostfrieslandhaus Premiere des neuen Stückes. Es gibt weitere Termine.


von GÜNTHER NIET

AURICH - Es ist wie im wahren Leben. Die reiche Tante ist gerade unter der Erde, da geht bei der Verwandtschaft das Geschacher um „De letzt Will" schon los. So der Titel des neuen Stückes des Niederdeutschen Theaters Aurich, das am Sonnabend im Ostfrieslandhaus Premiere hatte.

Erbtante Martha ist gestorben. Mit der Pietät im schwarzen Rock ist es bei ihrer Schwester Olga (Edda Dedekind) mit Sohn Kurt (Michael Niendieker) und vor allem bei Marthas Neffen Heinz, gespielt von Johann Mühlenbrock, schnell vorbei. Nur Kurts Schwester Ursel (Uta Folkerts) will bei diesem Leichenschmaus nicht so richtig mitmachen.

Eine zur Schau getragene Gedenkminute für Martha demaskiert letztlich alle und offenbart deren wahre Absichten: Jeder will möglichst viel vom Erbkuchen abbekommen, rücksichtslos und skrupellos wird um jede Vase, um jede Tasse gekämpft. Doch in einem Punkt ist sich die Bagage einig: Klaus (Stefan Dierks), der Ehemann von Marthas verstorbener Nichte Irmgard, soll leer ausgehen. Am Ende des fünfteiligen Theaterstücks aus der Feder von Fitzgerald Kusz bestätigte sich dann doch wieder: „Wer zuletzt lacht, der lacht am besten."

„De letzt Will" ist eine gut inszenierte Posse. Mit Ironie und satirischer Übertreibung wird das eigentlich schockierende Geschehen gelindert und erhält dadurch einen amüsanten Anstrich. Urkomisch und heiter wird auch dem Publikum ein wenig der Spiegel vorgehalten: Der unwürdige Kampf ums Erbe ist unter uns und keine Soap wie im Fernsehen.

Die starken Rollen in dem Theaterstück waren wieder hervorragend besetzt. Besonders Edda Dedekind war die Rolle als Marthas Schwester auf den Leib geschrieben.

Doch auch Bühnenleiterin Herma Janssen begeisterte das Publikum als alkoholkranke Frau von Kurt. Mit viel Gestik und auch Einfühlungsvermögen lallte und stolperte sie über die Bühne.

Auch Bühnenlegende Wilhelm Arends entwickelte aus seiner Nebenrolle als ehemaliger Hausmeister von Martha einen dominanten Part, und Albert Janssen, langjähriger Leiter der Auricher Spöldeel, hatte als Möbelpacker Heinrich wieder mal die Gelegenheit, in einer kleinen Rolle auf der Bühne zu stehen.

„De letzt Will" - ein Leichenschmaus in fünf Bildern - war auch ein Schmaus fürs Publikum. Weitere Termine: 28., 30. und 31. Oktober sowie 4., 5. und 6. November um 20 Uhr, und am 1. November um 16 Uhr. Die Aufführungen im Bürgerhaus in Ihlow sind am 20. und 21. November um 20 Uhr.

Bildunterschrift: Herma Janssen (links) imponierte in der Rolle der trinksüchtigen Siggi, hier mit Edda Dedekind (Mitte) und Uta Folkerts.

Bild: Niet

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