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Artikel Ostfriesen-Zeitung vom 02.11.2010

Quelle: Ostfriesen-Zeitung vom 02. November 2010

Und hier noch einmal der Text:

Verkehrte Welt bei der Konfirmation

Kultur Niederdeutsches Theater Aurich feierte am Freitagabend Premiere im Ostfrieslandhaus

Die Komödie "Holl di still" dreht sich um den Ärger mit der ungeliebten Verwandtschaft.

VON GÜNTHER NIET

AURICH Eine Konfirmation wie in der neuen Komödie „Holl di still" des Niederdeutschen Theaters Aurich unter der Regie von Wilhelm Arends sollte sich niemand wünschen. Denn dort herrschte am Freitagabend bei der Premiere im Ostfrieslandhaus verkehrte Welt.

Nicht die eigentliche Hauptperson des Tages, Konfirmandin Wiebke, gespielt von Hilke Peters, steht bei der Familienfeier im Mittelpunkt, sondern die „buckeligen" Verwandten, die sich unablässig selbst inszenieren, um im Vordergrund zu stehen. Man schwadroniert beim Essen über Banalitäten des Alltags, über Preissteigerungen, Eierkauf und Wellness und ergibt sich in Plattitüden und Plattheiten.

Und Wiebke? Sie sitzt stumm und fast eingeschüchtert inmitten dieser Bagage neben ihrer Mutter (Elke Gronewold) und ihrem patriarchalischen Vater (Johann Mühlenbrock). Reden darf sie nur, wenn sie gefragt wird. „Holl di still" (Mund halten) fallen die Eltern ihrer Tochter immer barsch ins Wort, wenn sie auch mal von sich aus was sagen möchte. Das tut aber der launigen Stimmung der Gäste keinen Abbruch.

Dafür sorgten vor allem Wiebkes redefreudige Tante Anna, gespielt von Edith Gleibs und ihr Onkel Willi (Rainer Gleibs). Als eine Art Zickenpaar machten sie von Anfang an Furore auf der Bühne und lösten mit ihrem „Geschlechterkrieg" im Publikum einen Lacher nach dem anderen aus. Die Ehe von Anna und Willi ist in die Jahre gekommen. Die Leidenschaft ist längst vorbei, die Beziehung der beiden ist zu einer emotionslosen Zweckgemeinschaft verkommen.

Man schenkt sich nichts auf der Bühne, um zum Vergnügen der Besucher dem Partner bei jeder passenden Gelegenheit eins auszuwischen. Besonders Tante Anna ist nicht auf den Kopf gefallen. Schlagfertig, bissig und treffsicher pariert sie die kleinen und feinen Bosheiten und Anspielungen ihres Mannes und kontert ihn immer wieder galant aus.

Mit Edith und Rainer Gleibs als „echtes" Ehepaar waren diese beiden Rollen optimal besetzt. Edith Gleibs ist bereit seit 40 Jahren Mitglied des Auricher Ensembles und hat, wie ihr Mann auch, in sehr vielen unter schiedlichen Rollen auf der Bühne mitgewirkt. Mehr um die eigene Figur, um Cholesterin und genfreies Essen besorgt bei der Konfirmationsfeier ist Gerda (Heike Tunder), eine Bekannte der Familie. Dabei nimmt ihre Besorgtheit um das Wohlergehen ihres schweigsamen Mannes Manfred (Stefan Dirks) immer komischere Formen an.

In einem lustigen Theaterstück, in dem der Handlungsort unverändert bleibt, muss der Dialog in seiner ganzen sprachlichen Fülle vom Witz über Ironie und Sarkasmus bis hin zu zynischen Einlassungen für den Erfolg der Aufführung sorgen.

Und das gelang der Auricher Spöldeel bei der Premiere mit dem Stück von Fitzgerald Kusz am Freitagabend auch, als die scheinbar harmonische Konfirmationsfeier erste Risse bekam, die dann beinahe in einem handgreiflichen Streit eskalierten.

Es war letztlich Edith Gleibs in ihrer Paraderolle als leutselige Tante Anna, die den komödiantischen Faden nicht abreißen ließ und die Stimmung aus dem Tief herausholte.

Termine:
Das Stück des Niederdeutschen Theaters Aurich wird noch morgen sowie am 5., 6., 7., 8., 11. und 12. November im Ostfrieslandhaus. Alle Vorstellungen beginnen um 20 Uhr.

Es gibt auch zwei Aufführungen im Bürgerhaus in Ihlow. Diese sind am 19. und 20. November.

Karten für die Aufführungen in Aurich gibt es bei Abegg in der Osterstraße in Aurich und an der Abendkasse. Sie kosten sechs Euro. Gruppenbestellungen ab 15 Personen nimmt Gertrud Heyen unter Telefon 0 49 41 / 65 18 3 entgegen. Für die Vorstellungen im Bürgerhaus Ihlow können Karten im Rathaus und an der Abendkasse gekauft werden.

Bildunterschrift 1: Bei einer scheinbar lustigen Konfirmationsfeier treten auf einmal tiefgehende Spannungen zutage.

Bildunterschrift 2: Konfirmantin Wiebke muss meist den Mund halten (rechts).

Bilder: NIET

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