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Artikel Ostfriesen-Zeitung vom 06.03.2012

Quelle: Ostfriesen-Zeitung vom 06. März 2012

Und hier noch einmal der Text:

Reizwäsche bringt ein Dorf durcheinander

AUFFÜHRUNG Das Niederdeutsche Theater Aurich überzeugt mit der Tragikomödie "Lüttje Paris"

Edda Dedekind glänzt in ihrer Rolle als Witwe Martha Joost. Ihre "sündigen Pläne" kurz vor dem Chorfest stoßen auf Widerstand.

VON GÜNTHER NIET

AURICH - Die grandiose Premiere seines neuen Stückes "Lüttje Paris" von Stefan Vögel hat die letzten Zweifel ausgeräumt: Das Niederdeutsche Theater Aurich spielt in der ersten Liga der Mundartbühnen. Bis auf den letzten Platz war der Saal im Ostfrieslandhaus am Sonnabend besetzt. Es mussten sogar noch zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt werden.

"Wir sind bundesweit die fünfte Bühne, die diese Tragikomödie aus der Schweiz inszeniert hat", sagte Bühnenleiterin Herma C. Janssen mit erkennbarem Stolz in der Stimme bei der Begrüßung des Premierenpublikums am Sonnabend im Ostfrieslandhaus.

Im Mittelpunkt des Stücks steht die Witwe Martha Joost, die nach dem Tod ihres Mannes fast jeden Lebenswillen verloren hat, zumal ihr Lebensmittelgeschäft auch so vor sich herdümpelt. Am liebsten möchte sie sterben. Gespielt wird Martha von der großen alten Dame der Auricher Bühne, Edda Dedekind. Die Figur der zwischen Selbstzweifel und Aufbruchstimmung hin- und hergerissenen Martha Joost scheint die Rolle ihres Lebens zu sein. Mit Hingabe, schauspielerischem Glanz und viel Bühnenerfahrung kostete sie ihre Rolle bis zur letzten Minute aus.

Handlungsart der Geschichte, die 2006 unter dem Titel "Die Herbstzeitlosen" verfilmt wurde, ist der fiktive Ort Forlitz, ein verschlafenes, scheinbar idyllisches Dorf. Dort soll das große Chorfest des Nordens stattfinden.

Das bringt die Wende in Marthas Leben. Bürgermeister Fritz Büttner (Wllfried Hagen) gibt der gelernten Schneiderin den Auftrag, für das Chortreffen eine neue Fahne zu nähen. Gern erinnert sie sich jetzt ihre Zeit als Schneiderin, doch damals hatte sie erotische Dessous gefertigt. Jetzt wird Marthas Freundin Lilly, gespielt von Edith Gleibs, zur dominierenden Person auf der Bühne In ihrer umtriebigen und anpackenden Art ermuntert sie Martha, den Lebensmittelladen aufzugeben, das leben selbst in die Hand zu nehmen und ,wieder mit dem Schneidern zu beginnen. Und warum den alten Laden nicht in ein Dessousgeschäft umwandeln?

Große Empörung über die .sündigen" Pläne herrscht bei Marthas Sohn Walter (Michael Niendieker), dem Pastor. Er hat aber auch eigene Pläne mit dem Laden. Als Bibeltreff, aber auch als Liebesnest mit seiner Geliebten Grace (Stefanie Siebels) möchte er ihn nutzen. Schier fassungslos ist Bürgermeister Fritz Büttner über den "Schmutz" in seinem Ort. Seine veralteten Moralvorstellungen geraten ins Wanken. Mit aller Macht wollen Pastor und Bürgermeister das Geschäft mit Spitzenwäsche verhindern.

Doch inzwischen wird das Geschäft mit Reizwäsche längst online abgewickelt und für Martha gibt es aus dem ehrwürdigen Lido in Paris einen Großauftrag für das "Lütt je Paris" in Forlitz.

"Lüttje Paris" ist gutes Unterhaltungstheater mit Anspruch. Und Edda Dedekind zeigte in ihrer Rolle, mal philosophisch, dann mehr pathetisch, dass Älterwerden und Schicksalsschläge nicht den Lebensmut nehmen müssen, sondern auch Aufbruch und Neubeginn bedeuten können.

Kleiner Kasten rechts:
Aufführungen

"Lüttje Paris" wird vom Niederdeutschen Theater noch siebenmal im Ostfrieslandhaus aufgeführt. Abendvorstellungen sind am 7., 9. 14., 16., 21. und 23. März. Der Vorhang hebt sich jeweils um 20 Uhr. Am Sonntag, 11. März, ist um 16 Uhr eine Nachmittagsvorstellung, ebenfalls im Ostfrieslandhaus. Eintrittskarten gibt es für sechs Euro bei der Firma Abegg in der Osterstraße und an der Abendkasse.

Bildunterschrift großes Bild: Bürgermeister Fritz Büttner (Wilfried Hagen) findet die neue Fahne für den Gesangverein etwas merkwürdig. Lilly (Edith Gleibs) hat ihn beim Schnüffeln überrascht.

Bildunterschrift kleines Bild: Edda Dedekind

Foto: NIET

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